All Deine Bewegungen auf dem Feld beruhen auf biomechanischen Grundprinzipien oder werden von diesen beeinflusst. Um einzelne Bewegungsabläufe im Fußball verstehen zu können und ihre Wirkung zu definieren, beschäftigt sich die Sportwissenschaft mit den biologischen und physischen Einflüssen auf die Entstehung, Durchführung und Beeinflussung von Bewegungen im Sport. Wie wichtig die Biomechanik für das Verständnis von Bewegungsabläufen im Sport und Fußball ist, erfährst Du in folgendem Beitrag.

Ein Beispiel

Versetzen wir uns in folgende Spielsituation: Der Gegner verliert im Spielaufbau den Ball Höhe der Mittellinie durch einen missglückten Pass. Der Ball geht in Aus. Euer einstudiertes Umschaltspiel greift, der Außenverteidiger schaltet schnell, wirft den Ball direkt die Außenbahn entlang auf den Flügelspieler, der nach kurzem Dribbling die Flanke auf den Stürmer schlägt. Dieser fokussiert den Ball, positioniert sich und steigt zum Kopfball. Gegen die Laufrichtung des Keepers positioniert er den Ball im Tor.

Damit sich Szenen wie diese überhaupt abspielen können, bedarf es mehr als „Auge“ und „schnelles Umschalten“. Biomechanische Prinzipien liegen in jeder dieser Bewegungen zugrunde. Sportwissenschaftler wissen, dass ein Spielzug das Ergebnis millionenfacher Muskelkontraktionen und Krafteinwirkungen ist, die den Bewegungsapparat erst antreiben. Nur wenn Du weißt, wie der menschliche Körper Bewegungen ausführt und welche komplexen anatomisch-physiologischen Zusammenspiele stattfinden müssen, um eine perfekte Flanke, Kopfball oder Einwurf auszuführen, kannst Du Deine Technik verbessern und Bewegungsabläufe optimieren.

 

Biomechanik als Grundlage aller Bewegung

Aber halt, bevor wir uns selbst überholen: Was genau ist Biomechanik noch einmal? Sportwissenschaftler verstehen darunter eine Teildisziplin der Sport- und Bewegungswissenschaft, die biologische und physische Einflüsse auf die Entstehung und Durchführung von Bewegungen im Sport untersucht. Ziel der Messung, Sammlung und Auswertung biomechanischer Daten in der Sportwissenschaft ist es dabei immer, Bewegungen zu optimieren und die sportliche Leistung zu verbessern. Es wird weiterhin eine Unterteilung der Biomechanik in die Teilbereiche Kinematik und Dynamik vorgenommen, die jeweils unterschiedliche Betrachtungsweisen bei der Beobachtung mechanischer Bewegungen bereitstellen.

Die Kinematik (altgriechisch kinema = Bewegung) betrachtet die Bewegung von Körpern und Punkten im Raum anhand ihrer Position, Geschwindigkeit und Beschleunigung. Masse und Krafteinwirkungen werden nicht berücksichtigt. Im Zusammenhang mit den Sportwissenschaften können mithilfe der Biokinematik somit Bewegungszustandsänderungen und Bewegungsanalysen vorgenommen werden. Und wozu das Ganze? Zum Beispiel, um die Reaktionszeit eines Torhüters in einer bestimmten Situation exakt zu messen, indem die benötigte Zeit zur Positionsänderung seiner Hände bei der Schussabwehr betrachtet wird. Bekommt Dein Keeper seine Hände nicht schnell genug hoch, heißt es: Reaktionstraining!

Ergänzend dazu hilft uns die Lehre der Dynamik (altgriechisch dynamis = Kraft) dabei, den Zusammenhang zwischen einer Bewegung und der auslösenden Kraft zu verstehen. Dies ist im sportwissenschaftlichen Kontext immer dann interessant, wenn herausgefunden werden soll, welche Kraft von einem Muskel aufgebracht werden muss, um eine bestimmte Bewegung optimal auszuführen. Kennst Du beispielsweise die Diskrepanz zwischen der Schusskraft, die Du aktuell im Stande bist aufzubringen und der Schusskraft, die Du erreichen willst, kannst Du ganz gezielte Übungen zur Kraftvergrößerung in Dein Training einbauen.

 

Die Bedeutung biomechanischer Prinzipien im Fußball

In der Sportwissenschaft unterscheiden wir verschiedene biomechanische Prinzipien, die Du unbedingt beachten solltest, wenn Du Deine Technik verbessern willst. Diese sind das Prinzip der Anfangskraft, des optimalen Beschleunigungsweges, der zeitlichen Koordination von Einzelimpulsen, der Gegenwirkung, und der Impulsübertragung.

Das Prinzip der Anfangskraft besagt, dass, um ein Körperteil mit maximaler Geschwindigkeit in eine bestimmte Richtung zu bewegen, zunächst eine entgegengesetzte Bewegung durchgeführt werden muss. Das kennst Du vom Schuss im Fußball: Du musst mit Deinem Schussbein weit ausholen, um einen möglichst kraftvollen Torschuss auszuführen. Doch es ist nicht Sinn und Zweck Deines Techniktrainings, die Anfangskraft zu maximieren. Dies würde Dir nur durch weiteres Ausholen mit dem Schussbein oder eine höhere Anlaufgeschwindigkeit gelingen. Und seien wir mal ehrlich: In welcher Spielsituation hast Du Platz und Zeit, 20 Meter im Vollsprint auf den ruhenden Ball zuzurennen, um diesen mit maximaler Wucht ins Tor zu hieven? Das Prinzip zielt vielmehr darauf ab, die Anfangskraft optimal herzustellen und einzusetzen.

Das Prinzip des optimalen Beschleunigungsweges ist ebenfalls enorm wichtig für die Verbesserung Deiner Schuss- oder Einwurftechnik. Der Beschleunigungsvorgang beim Einwurf startet mit dem Ball in Deinen Händen hinter Deinem Kopf und endet, wenn der Ball Deine Hände vor Deinem Kopf verlässt. Kinematik und Dynamik kommen hier zum Einsatz: Je schneller und kraftvoller Du die Wurfbewegung durchführst, desto weiter fliegt der Ball. Stelle Dir dabei vor, dass Deine Arme eine Peitschenbewegung durchführen. Du holst weit aus, startest die Wurfbewegung langsam und beschleunigst zunehmend schneller, bis der Ball Deine Hände verlässt.

Nicht nur beim Einwurf, sondern auch bei Kopfbällen kommen weitere biomechanische Prinzipien zum Tragen: die Koordination von Teilimpulsen und das Prinzip der Impulserhaltung. Da Impulse nicht verloren gehen, sondern erhalten bleiben und ineinander umgesetzt werden können, ist es Dir möglich einen wuchtigen Kopfball aufs Tor zu bringen, der die gebündelten Impulse vieler biomechanischer Bewegungsabläufe besitzt. Wie das funktioniert? Dein Mitspieler schlägt eine Flanke, indem er dem Ball durch eine Schussbewegung einen kräftigen Impuls versetzt. Während die Flanke unterwegs ist, läufst Du mit einer bestimmten Geschwindigkeit und steigst zu einem Kopfball in die Luft. Indem Du mit den Armen Schwung holst, erhält Dein Sprung zusätzliche Impulse. Kraftvolle Bewegungen Deines Oberkörpers und Kopfes ergänzen den Gesamtimpuls, den Du auf den Ball überträgst, der idealerweise punktgenau auf Deiner Stirn landet. Wenn Du Teilbewegungen optimal koordinierst, kannst Du einen Kopfball mit der gebündelten Energie vieler verschiedener biomechanischer Bewegungen versehen.

Biomechanische Optimierung im Fußball mit SOCCASHAPE

Ohne Biomechanik sind Bewegungen nicht möglich. Und wer nicht weiß, wie Bewegungsabläufe optimiert und Techniken verbessert werden können, wir auch im (Amateur-)Fußball schlechte Karten haben. Mit SOCCASHAPE lernst Du alles, was es über spezielle Bewegungsabläufe zu wissen gilt. Mit dem Modulprogramm erfährst Du ganz genau, welche Teilbewegungen des Schusses, des Einwurfs oder beim Kopfballspiel optimiert werden können, damit Du Dein volles Potential entfalten kannst.