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Grundlagen der Motorik

Bewegung ist im Fußball alles, egal ob mit oder ohne Ball, im Training oder Spiel. Doch wie verarbeitet unser Körper die komplexen Bewegungsabläufe, die im Fußball nötig sind? In folgendem Beitrag erklären wir dir die Grundbegriffe der Motorik sowie die Funktionsweise und das Zusammenspiel von Gehirn und Muskulatur.

Was bedeutet Motorik?

Bös & Mechling (1983) bezeichnen die Motorik als die Summe aller Steuerungs- und Funktionsprozesse zur Sicherung der Haltung und Bewegung des Körpers.

Dabei beruht die Motorik vor allem auf Funktionen des sensorischen und neuromuskulären Systems, also einem Zusammenspiel des Zentralen Nervensystems (ZNS) mit den aktiven und passiven Elementen des Bewegungsapparats (Schnabel & Thieß, 1993).

Bedeutet also, dass Dein zentrales Nervensystem Signale an den Bewegungsapparat zur Steuerung der Muskulatur sendet, damit man aufrecht stehen und sich bewegen kann – logisch. Doch wie läuft diese Reizübermittlung ab?

Sensomotorik und Rezeptoren

Um Bewegungsprogramme durchführen zu können, benötigt Dein Körper zunächst Informationen. Diese werden mittels sensorischer Rezeptoren in Deinen Sinnesorganen wahrgenommen, beispielsweise über Rezeptoren in den Netzhautzellen Deiner Augen, Hautzellen oder Geruchszellen der Nase. Diese Rezeptoren reagieren auf einen internen oder externen Reiz mit der Aktivierung von Proteinen, was zur Übertragung eines Nervenimpuls führt.

Stoppst Du nun einen Ball mit dem rechten Fuß, erkennen die druckempfindlichen, sensorischen Hautrezeptoren in diesem Bereich den auf sie ausgeübten Druck des Balles und senden ein Signal an dein ZNS. Hier erfolgt dann die Interpretation der gesendeten Botschaft, also der Kontakt eines Gegenstandes am rechten Fuß und es wird die motorische Antwort auf diesen Impuls festgelegt. Die Antwort, also der motorische Impuls, wird dann wieder über Neuronen direkt an die Muskelfasern geleitet.

Das Zusammenspiel dieser sensorischen Reizerfassung und motorischen Antwort nennt man Sensomotorik.

Neben der willkürlichen Bewegung des Ball Stoppens treten im Fußball auch unwillkürliche Bewegungen auf, sogenannte Reflexe.

Unterschied zwischen willkürlich und unwillkürlichen Bewegungen

Unter unwillkürlichen Bewegungen wie der Spinal- oder Reflexmotorik versteht man Bewegungen, bei denen das Gehirn keine Kontrolle auf die Bewegung hat und die Reizverarbeitung und Antwort vom Rückenmark (spinal) ausgeht.

Ein Reflex ist laut Definition von Latash (2008) eine unwillkürliche, motorische Reaktion auf einen externen Reiz. Reflexe, wie der Muskeldehnreflex, kommen auch im Fußball vor.

Bekommst Du als Spieler einen Schlag auf das Knie, so reagieren Dehnungsrezeptoren in der Ansatzsehne Deiner vorderseitigen Oberschenkelmuskulatur (Musculus quadriceps femoris) und es kommt zur Kontraktion des Muskels. Man spricht vom sogenannten Patellarsehnenreflex.

Dabei registrieren die Dehnungsrezeptoren (Muskelspindeln) den Schlag auf die Kniescheibe und leiten über sensible Neuronen (Afferenzen) einen Impuls an das Rückenmark. Hier kommt es zur Reflexantwort, die motorischen Neuronen (Efferenzen) leiten diese zum Muskel und es kommt zur Kontraktion. Erfolgt eine Erregung des Quadriceps femoris führt dies gleichzeitig zu einer Hemmung des Antagonisten – Gegenspielermuskels – hier die Oberschenkelrückseite (Musculus biceps femoris). Tritt diese Hemmung nicht ein, würde eine Kontraktion des Musculus quadriceps femoris zur Beinstreckung und gleichzeitig eine Kontraktion des Musculus biceps femoris zu einer Beinbeugung führen und somit der Aufhebung und kompletten Verkrampfung der Muskulatur.

Neben dem Dehnreflex kann Dein Körper auch auf schmerzhafte Reize reagieren. Steigst du etwa mit dem linken Fuß in einen Nagel reagiert Dein Organismus mit einem Flexorreflex, also dem Anheben des Beines durch Beugung in Knie- und Hüftgelenk (Schutzreflex). Dabei wird neben der Flexion (Beugung) des betroffenen linken Fußes gleichzeitig die Muskulatur im rechten Bein angespannt, um ein umkippen zu verhindern. Hier spricht man vom gekreuzten Extensorenreflex.

Zur Ausführung zielgerichteter Bewegung reichen diese einfachen Reflexe natürlich nicht aus. Hier bedarf es einer permanenten Koordination und Integration übergeordneter Areale im ZNS.

Verantwortlich für diese zielgerichteten, willkürlichen Bewegungen Deines Körpers ist der Motorkortex (lat. „motor“ = Beweger; „cortex“ = Rinde). In diesem histologisch abgrenzbaren Bereich der Großhirnrinde (Neocortex) erfolgt die Verarbeitung von einfachen Bewegungsmustern und dem Zusammenstellen einer komplexen Abfolge. Je komplexer Deine Bewegung und umso bewusster Du sie ausführst, desto mehr Hirnareale sind in die Ausführung der Bewegung involviert und arbeiten gemeinsam.

Bevor es zur eigentlichen Bewegung kommt, durchläuft Dein Motorkortex einen Verarbeitungsprozess.

Entschluss, Programmierung und Durchführung

Um eine komplexe Bewegung durchzuführen bedarf es zunächst eines Handlungsantriebs. Besonders bei selbst-initiierten Handlungen spielen die Motivation und die Zielvorstellung eine essenzielle Rolle.

Du befindest Dich mit dem Ball am Fuß in aussichtsreicher Position für einen Torschuss, bekommst aber Druck vom Gegenspieler.

Was machst Du, Torabschluss oder Querpass, um einen Mitspieler in Szene zu setzen? Deine Zielvorstellung ist klar, den Ball im Kasten unterbringen.

In Deinem Motorkortex besteht ein ständiger Austausch von abgespeichertem Wissen aus den Assoziationszentren und Einfluss aktueller Reize über die Neuronen. Die vorliegende Situation wird emotional bewertet und mit gespeicherten Bewegungserfahrungen konfrontiert. Hattest Du eine derartige Ausgangslage bereits in früheren Trainings oder Spielen und Erfahrung im Lösen dieser Situation, wird Dein Körper genau diesen Weg einschlagen.

Perfekt, Du hattest letzte Woche im Abschlussspiel eine ähnliche Situation, in der Du einen Pass angetäuscht hast und mit einem eigenen Abschluss ein Tor erzielt hast.

Dein Entschluss steht fest, Du adaptierst die Pass-Finte aus dem Training und den eigenen Abschluss.

Nun folgt die Programmierung in Deinem motorischen Kortex. Die Bewegung ist dabei nicht als eigenständiges, abgespeichertes Programm zu verstehen, sondern als Kombination vieler Teilprogramme, die in verschiedenen Arealen des Motorkortex vorliegen.

Über die dauernde Rückmeldung Deiner Sinnesorgane während der Programmierung und Bewegungsausführung, kannst Du auch kurzfristig auf neu entstehende Situationen reagieren und Deinen Bewegungsplan korrigieren.

SOCCASHAPE – Bewegung und Motorik

Fasst man zusammen, verfügt Dein Organismus über unwillkürlich ausgeführte Bewegungen, den Reflexen. Sie dienen vor allem zum Schutz vor Schmerz und Verletzung. Dein Gehirn hat auf diese Reaktionen keinen Einfluss, sie sind von Geburt angeboren.

Neben den Reflexen gibt es die willkürlich ausgeführten Bewegungen. Verschiedene Areale des motorischen Kortex arbeiten hier zusammen und bauen aus vielen Teilprogrammen ein vollständiges Bewegungsprogramm. Je komplexer diese Bewegung, desto mehr Systeme arbeiten an diesem Programm.

Jede Bewegung, ob willkürlich oder unwillkürlich basiert auf Reizen, die von sensorischen Rezeptoren in Deinen Sinnesorganen wahrgenommen und an das ZNS weitergeleitet werden.