Motorische Fähigkeiten besitzt jeder Mensch. Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit sind Begriffe, mit denen jeder Sportler bereits konfrontiert wurde. Doch was genau steckt hinter diesen motorischen Beanspruchungsformen und wie funktioniert das Zusammenspiel im Körper während des Sports? Wir erklären Dir in folgendem Beitrag die wissenschaftlichen Hintergründe der Motorik und wie Du dieses Wissen nutzen kannst, um Dein Training und Deine Leistung auf dem Platz zu optimieren.

Was versteht man unter motorischen Grundfähigkeiten?

 

Motorik im Allgemeinen versteht man als die „Gesamtheit der Strukturen und Funktionen des Bewegungssystems“ (Schnabel & Thieß, 1993). Unter folgendem Link erfährst Du mehr zum Thema Motorik, willkürliche und unwillkürliche Bewegungen.

Die Sportmotorik, welche sich als Unterkategorie der Motorik mit der Körperhaltung und Bewegung beschäftigt, basiert auf den sportmotorischen Fähigkeiten und sportmotorischen Fertigkeiten eines Individuums.

Die Fähigkeiten stehen dabei für Dein Leistungsvermögen und sind im Gegensatz zu den Fertigkeiten angeboren bzw. durch äußere Umstände bestimmt und können durch Training verbessert werden. Sportmotorische Fertigkeiten sind erworbene oder erlernte Anteile des sportlichen Verhaltens, beispielsweise das Schlagen einer Flanke. Sportmotorische Fähigkeiten stellen somit die Grundlage zur Umsetzung einer Fertigkeit dar.

Dein fußballerisches Können umfasst beide Aspekte, angeborene und im Training verbesserte Fähigkeiten und erlernte Fertigkeiten.

Die motorischen Grundfähigkeiten werden in konditionelle und koordinative Fähigkeiten unterteilt. Laut dem Modell von Bös (1987) zählen Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft zu den konditionellen (energetisch determinierten) Fähigkeiten. Schnelligkeit lässt sich jedoch, gemeinsam mit Koordination, auch den koordinativen (informationsorientierten) Fähigkeiten zuweisen. Die Beweglichkeit gilt als passives System der Energieübertragung. Hohmann et al. (2003) widersprachen dem Modellansatz von Bös & Mechling und teilten den konditionellen Fähigkeiten neben Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit auch die Beweglichkeit zu. Zudem sieht Ihr Modell auch koordinative Fähigkeiten in den Bereichen der Kraft und Beweglichkeit.

Beide Modelle finden sich in der sportwissenschaftlichen Literatur, was die Schwierigkeit einer genauen, einheitlichen Definition unterstreicht. Doch für was stehen nun die einzelnen Bereiche der motorischen Fähigkeiten im Fußball?

Die motorischen Fähigkeiten und deren Bedeutung im Fußball

Ausdauer

Als Ausdauer wird die geistige und körperliche Ermüdungswiderstandsfähigkeit bezeichnet. Sie ist eng verbunden mit der Regenerationsfähigkeit nach einer gewissen Belastungsphase. Vielleicht kennst Du diese Situationen, in denen Du in Sekundenschnelle über den Platz sprintest und Dich hinterher völlig ausgepowert fühlst. Mit diesem einfachen Beispiel lässt sich gut darstellen, wie Ausdauer und Schnelligkeit zusammenhängen. Je schneller Du Dich bewegst, desto mehr Ausdauer wird benötigt, um die Geschwindigkeit konstant zu halten. Laut einer Studie von Di Salvo et al. (2007) legen Mittelfeldspieler auf dem Platz die größten Entfernungen zurück, gefolgt von Stürmern und Abwehrspielern. Je nachdem auf welcher Position Du spielst, ist die Ausdauer für Dich besonders wichtig. Deine Grundlagenausdauer trainierst Du am besten mit Läufen im GLA-I Bereich. Um Deine individuellen Herzfrequenzzonen zu erfahren, solltest Du eine Leistungsdiagnostik durchführen. Grundlagenausdauer dient vor allem Deiner Regenerationsfähigkeit nach intensiven Einheiten.

Deine fußballspezifische Ausdauer solltest du mit hochintensivem Intervalltraining (HIIT) verbessern, da diese sehr den Bewegungsmustern im Fußball ähneln. Ein Trainingsbeispiel wären Treppenläufe über eine Dauer von 40-60 Sekunden Voll-Belastung mit einer anschließenden Pause von 20 bis 40 Sekunden. Versuche eine Trainingsdauer von 20-30 Minuten anzusetzen (je nach körperlicher Verfassung).

Kraft

Die Kraftfähigkeit basiert auf neuromuskulären Voraussetzungen – sprich des Zusammenspiels Nerv-Muskel-System – und kann in Sprung-, Sprint- oder Schusskraft unterschieden werden. Dabei wird durch Muskelkontraktion (Verkürzung) ein Widerstand überwunden (konzentrische Arbeit), gehalten (statische Arbeit) oder ihr entgegengewirkt (exzentrische Arbeit).

Stell Dir vor, Du könntest den Ball nur leicht anstupsen, statt ihn kraftvoll zu treffen und viele Meter weit über den Platz zu schießen. Deine Pässe und Torschüsse würden ihr Ziel verfehlen. Auch beim Sprint brauchst Du genug Muskelkraft in den Beinen, um lange Matches durchzuhalten. Hier spielen Ausdauer und Schnelligkeit als zusätzliche Faktoren mit hinein. Einer Studie von Stein (2013) zufolge besitzen Stürmer und Abwehrspieler eine höhere Maximalkraft in der Kniebeugeleistung als Mittelfeldspieler oder Torhüter. Laut Tschan et al. (2001) sollten Spitzenfußballer bei einer Kniebeuge das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts bewältigen können. Im Amateurfußball mag dieser Wert hoch sein, doch er zeigt die Wichtigkeit der Beinkraft im Fußballsport. Um Deine Muskulatur zu stärken, bieten sich beim Krafttraining besonders Übungen an, bei denen Du Dein eigenes Körpergewicht stemmen musst. Bei Kniebeugen, Planks oder Sit-ups steht vor allem die Stärkung der Beine, des Bauchs und des unteren Rückens im Fokus.

Schnelligkeit

Schnelligkeit zeigt sich darin, Bewegungen mit höchster Geschwindigkeit durchzuführen oder auf einen Reiz möglichst schnell zu reagieren. Mit ausreichend Schnelligkeit kannst Du weitere Strecken zurücklegen, Dich in Zweikämpfen behaupten oder auf gewisse Spielsituationen schnellstmöglich zu reagieren. Hierfür müssen das Nerven- und Muskelsystem gestärkt werden. Laut Eder & Hoffmann (2006) sprintet ein Stürmer im Durchschnitt bis zu 20 Meter, ein Mittelfeldspieler hingegen 45 Meter. Auch hier ist also Deine Position auf dem Platz entscheidend. Wir empfehlen Dir ein Sprinttraining mit steigenden Distanzen. Auch Antritts-, Sprung- und Sprintkombinationen mit Richtungswechseln oder verschiedenen Startsignalen können hilfreich sein.

Koordination

Der Begriff Koordination bezeichnet die Qualität von Bewegungssteuerungsprozessen. Dazu zählen unter anderem Reaktions-, Orientierungs- oder Gleichgewichtsfähigkeiten. Für eine gute Koordination ist das Zusammenspiel der Muskeln äußerst wichtig. Zudem geht es bei der Koordination um die Befähigung eines Spielers, motorische Handlungen in bekannte und nicht vorhersehbare Situation mit größtmöglicher Effektivität und Ökonomie zu realisieren. Laut Geese & Hillebrecht (2006) werden bei einem einzigen Schritt über 50 Muskeln koordiniert. Wenn Dein Körper elementare Abläufe wie Dribbeln, Wenden oder Finten nicht richtig koordinieren kann, dann strauchelst Du und verletzt Dich womöglich. Die Koordinationsfähigkeit sollte niemals einzeln trainiert werden, sondern immer in Kombination mit anderen Aspekten. Dabei bietet sich vor allem ein Training mit spielnahen Situationen an.

Beweglichkeit

Eine gute Beweglichkeit befähigt Dich, Bewegungen gezielt mit der erforderlichen Schwingungsweite Deiner Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder auszuführen. Dafür müssen eine ausreichende Dehnfähigkeit und Gelenkigkeit vorhanden sein. Letztere ist meist genetisch bedingt und lässt sich nur schwer verbessern. Die Dehnfähigkeit hingegen liegt neuromuskulären Bedingungen zugrunde und kann von Dir selbst beeinflusst werden. Durch gezielte Dehnübungen kannst Du verhindern, dass sich Muskeln, Sehnen und Bänder verkürzen. Wichtig ist dabei zu beachten, keine passiven Dehnübungen im Warm Up durchzuführen, da dem Muskel so die nötige Vorspannung für die eigentliche Belastung genommen wird. Durch die fehlende Spannung kann es zu muskulären Verletzungen bei hoher Beanspruchung der Muskulatur kommen, beispielsweise Zerrungen, Muskelfaserrisse oder der Riss ganzer Bündel. Passives Dehnen sollte lediglich im Cool Down zur Entspannung und Einleitung der Regeneration dienen.

SOCCASHAPE – gute Motorik macht den Unterschied

Die genannten Beispiele zeigen Dir, wie wichtig motorische Fähigkeiten im Fußballsport sind und wie sie Dir auf dem Platz helfen. Nun kannst Du je nach Stärken, Schwächen oder Deiner Spielposition selbst entscheiden, welche Fähigkeiten Du besonders verbessern möchtest. Bedenke dabei jedoch, niemals zu einseitig zu trainieren. Alle motorischen Fähigkeiten sind wichtig und greifen ineinander über. SOCCASHAPE hilft Dir, anhand einer fußballspezifischen Leistungsdiagnostik Deine Stärken und Schwächen in allen motorischen Bereichen zu analysieren und einen individuellen Trainingsplan zu erstellen, der auf Deine Ansprüche ausgelegt ist.

[1] Schnabel, G. & Thieß, G. (1993). Lexikon Sportwissenschaft: Leistung, Training, Wettkampf. Penguin.

[2] Bös, K. (1987). Handbuch sportmotorischer Tests. Göttingen: Hogrefe.

[3] Hohmann, A., Lames, M. & Letzelter, M. (2003). Einführung in die Trainingswissenschaft. Limpert.

[4] Di Salvo, V., Baron, R., Tschan, H., Calderon Montero, F. J., Bachl, N. & Pigozzi, F. (2007). Performance Characteristics According to Playing Position in Elite Soccer. International journal of sports medicine. 28. 222-7. 10.1055/s-2006-924294.

[5] Stein, D., Wellmann, K., Schröder, J., Braumann, K.M. & Reer, R. (2013). Positionsspezifische Merkmale bei ausgewählten konditionellen Fähigkeiten für eine Fußballmannschaft der 2.Bundesliga. In: Fußball in Forschung und Lehre, Beiträge und Analysen zum Fußballsport XIX. 24. Jahrestagung der dvs-Kommission Fußball, (p.109).

[6] Tschan H., Baron R., Smekal G. & Bachl N. (2001). Belastungs- Beanspruchungsprofil im Fußball aus physiologischer Sicht. Österreichisches Journal für Sportmedizin, 1, 7-18.

[7] Eder, K. & Hoffmann, H. (2006). Verletzungen im Fußball. München: Urban&Fischer.

[8] Geese, R. & Hillebrecht, M. (2006). Schnelligkeitstraining Auflage 2. Aachen: Meyer & Meyer